In den sozialen Netzwerken herrscht zunehmend ein rauer Ton. Videospielentwickler sowie Community-Manager stehen häufig Angriffen und Beleidigungen gegenüber. Und auch Arrowhead, der Entwickler hinter dem Sony-Shooter “Helldivers 2”, blieb nicht verschont.
Der ehemalige Arrowhead-CEO und jetzige Chief Creative Officer Johan Pilestedt sprach in einem Interview darüber, dass das Studio ein erhebliches Ausmaß an Toxizität erlebt hat. Dazu gehören „Drohungen und unhöfliches Verhalten“.
Der Unterschied ist erschreckend
Laut Pilestedt sei die Gesamterfahrung „extrem erfreulich und ein bisschen entmutigend“. Doch mit dem Zuwachs der Community auf rund zwölf Millionen Spieler wurde aus dem Ausmaß des negativen Verhaltens eine ganz neue Dimension.
„Der große Unterschied, der erschreckend ist, ist die Menge an Drohungen und unhöflichem Verhalten, das die Leute im Studio von einigen wirklich beschissenen Individuen innerhalb der Community erhalten. Das ist etwas Neues, mit dem wir umgehen müssen“, so Pilestedt gegenüber Gamesindustry.
Gründe, um sich bei den Entwicklern zu beklagen, finden Spieler regelmäßig: Nach der Veröffentlichung von “Helldivers 2” traten schwerwiegende Serverprobleme auf, da der Ansturm auf den Shooter größer als erwartet war. Das ging mit einem frustrierenden Matchmaking einher.
Nachdem dieses Problem größtenteils behoben wurde, sah sich Arrowhead mit einer Vielzahl von Beschwerden konfrontiert, da viele Spieler etwa mit der Waffenbalance und den Premium-Kriegsanleihen nicht zufrieden sind.
Die kontroverse Entscheidung von Sony, PC-Spieler dazu zu zwingen, sich mit einem PlayStation-Network-Konto zu verbinden, löste die heftigste Reaktion aus. Ein Review-Bombing setzte ein und trieb den User-Score von „Helldivers 2“ auf Steam nach unten. Später wurde die Entscheidung von Sony zurückgenommen.
Passend zum Thema:
Auf Kritik sollten Spieler keinesfalls verzichten und Dinge, die falsch laufen, klar benennen. Allerdings wird der Ton im Internet aggressiver und eine konstruktive Auseinandersetzung ist an vielen Orten kaum noch möglich. Zahlreiche Community-Manager dürften das bestätigen.
Frustration als Teil des Spielerlebnisses
Auf der anderen Seite ist im Fall von “Helldivers 2” eine gewisse Frustration vorprogrammiert. Wie Pilestedt andeutet, wurde der Shooter mit einem bewussten Frustfaktor erschaffen, um ein Koop-Erlebnis zu erreichen, das Hardcore-Spieler voll und ganz verstehen und zu schätzen wissen. Das wiederum könnte die Toxizität der breiten Spielerschaft gewissermaßen anheizen.
„Wenn man diese Tiefs nicht hat, kann man auch keine Hochs erleben“, meint Pilestedt. Ähnlich sieht es der neue Arrowhead-CEO Shams Jorjani: „Die Philosophie von Arrowhead war schon immer: Ein Spiel für alle ist ein Spiel für niemanden.“ Das sei der Slogan des Entwicklers und könnte “einer der Hauptgründe” dafür sein, warum “Helldivers 2” so erfolgreich ist. “Es fühlt sich frisch an, weil es eine Menge unpopulärer Dinge tut”, so Jorjani weiter.
Der Erfolg lässt allerdings nach, wie die Zahlen auf Steam verdeutlichen. Ob auf der PS5 ein ähnlicher Rückgang zu verzeichnen ist, bleibt eine offene Frage. Für eine Trendumkehr könnten künftige Events und Erweiterungen sorgen.
“Helldivers 2” ist als Live-Service-Spiel konzipiert. Und eine spätere Free-to-Play-Umwandlung ist zumindest denkbar. Mittelfristig bleibt es dabei: Der Shooter kostet knapp unter 40 Euro*.
Weitere Meldungen zu Helldivers 2:
“Helldivers 2” kam im Februar für PC und PS5 auf den Markt. Kürzlich gaben Sony Interactive Entertainment und Arrowhead eine Verkaufszahl heraus.
Weitere Meldungen zu Helldivers 2.
Diese News im PlayStation Forum diskutieren
(*) Bei Links zu Amazon, Media Markt, Saturn und einigen anderen Händlern handelt es sich in der Regel um Affiliate-Links. Bei einem Einkauf erhalten wir eine kleine Provision, mit der wir die kostenlos nutzbare Seite finanzieren können. Ihr habt dabei keine Nachteile.
Kommentare
RaVn
23. Mai 2024 um 16:54 Uhr@naughtydog
Ich kann mich noch gut an meine ersten negativen Erfahrungen im Netz oder in Multiplayer Shootern erinnern. Unreal Tournament stand bei damals hoch im Kurs. Begrifflichkeiten wie Noob waren an der Tageordnung. Oder unbedeutende dumme Sprüche.
Auch in Foren gab es so Spezialisten und Troll wurde zunehmend auch ein Begriff für mich.
Doch all dies, war absolut kein Vergleich zu dem was heute ab geht. Als würde da bei einem simplen A-Loch schon Schluss sein. „Ich f*** deine Mudder du H****sohn!“ …. ich finde das hat nichts mit Old School zu tun. Auch dass du jetzt unser Land mit in den Vergleich ziehst oder ob Beiordnungen nun Straftaten sein sollten oder nicht, verwundert mich etwas.
Ich sehe da jetzt nicht den Zusammenhang. Hier geht es um toxisches Verhalten im Netz. Morddrohungen kannte ich damals eigentlich nicht. Weder im Spiel noch im Netz. Auch das die sogenannte Community so Leidenschaftlich alles Hasst und regelrecht auf der Suche nach den nächsten Sh1tstorm ist, ist ein modernes Phänomen. Ganz individuell betrachtet.
Das_Krokodil
24. Mai 2024 um 07:26 Uhr@naughtydog:
Beleidigungen dieser Art zeigen ja schon grundlegend ein as0ziales Verrhalten und sollten demnach bestraft werden. Wir reden hier aber nicht nur davon, dass mal jemandem etwas in Emotion herausrutscht (auch das sollte geahndet werden), sondern auch von Hassnachrichten, die geschrieben werden. Da gilt dieses „im Affekt“ nicht
RoyceRoyal
24. Mai 2024 um 09:32 UhrNaughty Dog hat das schon gut beschrieben.
Die heutige Hassnachricht war vor 20 Jahren die zusammengeschnürrten Schuhsenkel. Das tat aber mehr weh wenn das Opfer hingefallen ist ^^
Ich erinnere ich mich auch noch daran, wie wir in der Blockschule…wer da nicht gespurt hat, dem haben wir beim Duschen die Klamotten entfernt 🙂
Dann nackig durch den gemischt geschlechtlichen Flur zurück ins Zimmer…und heute kommen die Luschen mit verbalen Kraftausdrücken ums Eck…süß!